Traditioneller Japanischer Turm im Sonnenuntergang vor dem Berg Fuji

Zwischen Sushi und Samurai – auf Japan-Kreuzfahrt mit Azamara

Japan ist ein zurückhaltendes Land, das sich dem Besucher nicht sofort erschließt. Gut, wenn man genug Zeit zum Kennenlernen mitbringt – wie auf einer zweiwöchigen Umrundung per Kreuzfahrt mit der Azamara Quest.

In Zeitlupe bewegen die weißgeschminkten Tänzerinnen mit den bunten Kimonos ihre Fächer. Anmutig bilden sie immer neue grazile Figuren. Dazu ertönt asiatische Musik. In ihrer Abschlusspose sehen die sechs Frauen aus wie eine Blüte. Anschließend bieten Männer eine Trommelperformance und einen Bauerntanz dar. Applaus brandet durch das Busan Cultural Center. Die Passagiere der Azamara Quest sind begeistert. Dieses spezielle Event wurde exklusiv von der Reederei für sie organisiert und darf kostenlos besucht werden – wie jeder „Azamazing“ Evening von Azamara Club Cruises.

Tänzerin in traditionellem Gewand auf einer Bühne
Die Passagiere erleben beim Azamazing Evening in Busan traditionelle Tanzperformances.
Traditionell angezogenen Tänzerinnen auf einer Bühne mit Fächern in der Hand
Der Fächertanz ist tief verwurzelt in der asiatischen Kultur.
Traditionell gekleidete Hostessen begrüßen die Passagiere vor dem Kulturzentrum in Busan.

Azamara: Konzentration auf die Ziele unserer Kreuzfahrt-Route

Die Luxusmarke der Royal Caribbean Group betreibt aktuell drei Schiffe der legendären Renaissance-Klasse. Es sind nicht die jüngsten und modernsten Kreuzfahrtschiffe, aber sie kommen dank ihrer überschaubaren Größe in viele Häfen, die großen Neubauten verwehrt bleiben.

Zeitlose Eleganz im Atrium der Azamara Quest
Edle Holzvertäfelungen gehören zum Stil von Azamara.
Die Bibliothek ist ein herrlicher Rückzugsort auf dem Boutiqueschiff.

Wir fahren mit nur 670 Passagieren auf der „Azamara Quest“ in zwei Wochen rund um Japan. Kaum eine andere Reederei nimmt sich so viel Zeit für ein Land. Doch man braucht diese Zeit auch, um mit Japan in Kontakt zu kommen und das Land zu verstehen. Wir besuchen auf unserer Reise kleine Häfen wie Aomori und Akita, Kanazawa und Sakaiminato, aber auch Metropolen wie Hiroshima und Kobe. Start und Ende der Seereise ist in Tokio. Und in der Mitte der Kreuzfahrt rund um Japan gibt es einen Abstecher ins südkoreanische Busan – mit dem Azamazing Evening Event.

Azamara Quest im Hafen von Aomori

Den krönenden Abschluss dieses Abends bilden 25 Taekwondo-Kämpfer, die leichtfüßig und kraftvoll zu erstaunlich hohen Sprüngen ansetzen. Es handelt sich um die Olympiamannschaft Südkoreas, die schon zweimal Gold geholt hat. Die koreanische Kampfkunst ist erstaunlich jung: Sie entwickelte sich erst nach der japanischen Herrschaft, die bis 1945 dauerte. Die japanische Kampfsportart Karate war die Grundlage. Die drei Silben Tae, kwon und do stehen für Fußtechnik, Handtechnik und Weg. Im Vergleich zu anderen Kampfsportarten dominieren die Fußtechniken im Kampf. Erst seit 2000 gilt Taekwondo als offizielle olympische Disziplin.

Taekwondo Kämpfer in synchroner Performance
Die Taekwondo-Kämpfer gehören zu den besten des Landes.
Ein Taekwondo Kämpfer bei der Ausführung eines Tritts
Hohe Sprünge und eine unglaubliche Flexibilität versetzen die Azamara-Gäste in Staunen.

Gastfreundschaft pur – Grüner Tee in Akita

Der erste Grundsatz des Taekwondo scheint für alle Menschen zu gelten, denen wir auf unserer Kreuzfahrt an Land begegnen: Höflichkeit. In Akita lädt mich Chieko Noguchi zu einer Schale Tee in ihr Haus ein. Wir sitzen auf den traditionellen Reisstrohmatten und blicken auf perfekt gestutzte Bonsaibäume und steinerne Laternen. Einen Teil der Gartenarbeit erledige sie noch selbst, erzählt die 86-Jährige, während sie den Matcha in einer Schale anrührt. Sie bietet mir kleine Süßigkeiten aus einer wunderschön verzierten Lackdose an, die ich vor dem grünen Tee probieren soll. Warum sie mich einfach so in ihren Privatbereich geleitet hat? Weil sie bei ihren Auslandsreisen ebenfalls gute Erfahrungen gemacht habe, sagt sie mit strahlenden Augen.

Ältere Frau serviert Tee auf japanische Art
Chieko Noguchi lädt mich in Akita zum grünen Tee in ihr Haus ein.

Gestärkt vom Tee ziehe ich weiter ins Kanto-Museum und fotografiere meterhohe Laternenmaste. Sie werden schon von kleinen Jungen durch die Straßen getragen, um den Vorfahren zu gedenken und um eine gute Ernte zu bitten.

Meterhohe Laternen an Masten in einem Innenraum
Die meterhohen Laternenmaste werden zum Lichterfest durch die Straßen von Akita balanciert.

Ich verliebe mich in die Seerosenpracht im Senshu-Park und beobachte ein junges Paar vor einem Schrein. Sie läuten eine Glocke, verbeugen sich und klatschen in die Hände. So mache man die Götter auf sich aufmerksam, erklärt mir eine Mitpassagierin auf dem Rückweg zum Schiff. Die junge Tokioterin macht bereits ihre 18. Japankreuzfahrt, weil es so eine praktische Art zu reisen sei. Ihr Ziel ist es, möglichst viele Schreine im Land zu besuchen. Mit mehr als 80 Millionen Schreinen ist es unmöglich, alle in nur einem Menschenleben zu sehen.

Geöffnete rosafarbene Seerosen
Die Seerosen im Senshu-Park sind ein Genuss fürs Auge.
Ein japanisches Haus im dichten Wald
Im Senshu-Park in Akita kann man das Gefühl für die Zeit verlieren.
Brücke aus Holz vor alten Bäumen
Halbrunde Brücken gehören zur japanischen Gartenarchitektur.
Auf kleine hölzerne Täfelchen schreiben die Besucher der Schreine ihre Wünsche.

Samurai und Geishas in Kanazawa

In Kanazawa lasse ich mich von meinem Guide Hanayo herumführen. Sie zeigt mir das traditionelle Samurai-Viertel – einer der wenigen Orte in Japan, wo man historische Bausubstanz findet. Die zahllosen Erdbeben haben viele alte Gebäude im Rest des Landes zerstört. Die Samurai waren erstaunlich sensibel für tapfere Krieger: In ihren Häusern lerne ich, dass ein Raum nur mit Blumen und einem Bild an der Wand komplett ist und dass man sogar die Nägel in den Holzbalken hinter kleinen Kunstwerken verstecken kann. Und der Garten im Zentrum des Hauses ist nicht zum Lustwandeln, sondern zum Ansehen gedacht. Aus jedem Raum bietet sich eine neue Perspektive zum Meditieren. 

Kanazawa ist der beste Ort, um traditionelle Viertel der Samurai und Geishas zu besichtigen.
Nur an wenigen Orten in Japan gibt es noch ähnlich gut erhaltene historische Strukturen.
Geishas in Japan in Gruppe
Eine Arbeitspause wird in der fröhlichen Gruppe genossen.
Alte Holzhäuser in enger Gasse
Kanazawas historischer Teehausbezirk, in dem die Geishas auftreten.
Japanische Parklandschaft vor Holzhaus
Ein traditionelles Haus der Samurai. Eine Oase zum Verweilen und Genießen.

Kanazawa ist aber auch für Sushi bekannt. Wir dürfen im untersten Stockwerk des Daiwa Departmentstores ein paar Spezialitäten probieren: süß eingelegter Fisch sowie fermentierte Obst- und Gemüsesorten.

Marktstand mit japanischen Schriftzeichen
Ein Marktbesuch in Kanazawa verlockt mit vielen Köstlichkeiten.
Sushi Platte mit verschiedenen Häppchen
Authentisches Sushi zu probieren ist in Japan ein Pflichtpunkt.
Essen in kleinen Schüsseln
Beim Landausflug in Shimizu bekommen die Passagiere ein japanisches Menü serviert.
Frische Wasabi Wurzeln in Wassertrog
Auf dem Markt in Kanazawa sieht man frische Wasabi Wurzeln.

Wir könnten uns noch ewig den fremden Geschmacksrichtungen hingeben, doch das Schiff muss weiter. Zum Abschied legen an der Hafenkante dutzende Tänzer eine synchrone Performance hin, dazwischen schwenken starke Männer und kleine Jungen riesige, bunte Flaggen. Der ein oder andere Azamara-Passagier an der Reling wischt sich angesichts so viel Enthusiasmus heimlich ein Tränchen aus dem Augenwinkel.

Energetische Tänze und farbenfrohe Fahnen – in Kanazawa werden wir enthusiastisch verabschiedet.

Tokio – Kobe – Hiroshima

In Tokio zieht es uns auf den Fischmarkt. Es duftet verführerisch: Ein Verkäufer flambiert seinen Tunfisch mit dem Bunsenbrenner. Ausländische Gourmets staunen über die günstigen Preise für Austern. Unzählige Stände verkaufen hübsch angerichtete Snacks.

Auch in Tokyo gehört ein Marktbesuch zum Programm.

In Shibuya wundern wir uns über das geordnete Chaos auf Kreuzungen, wo alle Fußgängerampeln gleichzeitig auf Grün schalten und es trotzdem keine Kollisionen gibt.

Menschenmenge beim Kreuzen einer Strasse in Tokio
Wir staunen über die Menschenmassen in Shibuya, die in perfekter Koordination die Fußgängerüberwege benutzen.

In Kobe nutzen wir den Übernachtaufenthalt für eine Fahrt mit dem schnellsten Zug der Welt in die ehemalige Kaiserstadt Kyoto.

Der Shinkansen überwindet die Distanz zwischen Kobe und Kyoto in nur 30 Minuten.
Rote Torii Pfosten in Japan
Die sogenannten „Torii“, wie diese in Kyoto, sind symbolische Eingangstore eines Schreins.
Wir besuchen die kaiserlichen Palastanlagen in Kyoto.

Und in Hiroshima kehren wir nach dem Besuch der Gedenkstätte zum Atombombenabwurf sehr nachdenklich zum Kreuzfahrtschiff zurück. Die Szenerie der Erinnerung beeindruckt alle Besucher: Von der versehrten Kuppel des A-Doms ragen verbogene Stahlträger in den Himmel, auf den halb eingestürzten Mauern krächzen schwarze Raben.

Der „A-Bomb Dome“ wurde bewusst als Mahnmal im Originalzustand belassen.
Eine bedrückende Erinnerung an eine schreckliche Vergangenheit.

Der Cenotaph im Friedenspark erscheint wie ein Symbol für Schutzsuchende, am Kinderdenkmal spenden Glaskästen voller kleiner, bunter Papierkraniche Trost. Symbole des Lebens, ebenso wie der Phönixbaum mit seiner markanten Narbe: Wie durch ein Wunder hat er das größte menschenverursachte Unheil der Geschichte überlebt und trägt gerade Früchte. Der Spaziergang durch einen japanischen Garten hilft, all das Gesehene zu verarbeiten. 

Eine Gedenktafel erinnert an die Kinder, die durch den Atombombenabwurf starben.
Bunte Papier-Kraniche
Die Papierkraniche haben eine große Bedeutung in Japan als Friedenssymbol, besonders für die Kinder.
Baum mit Hiroshima Mahnmal
Die Phoenix-Bäume haben trotz der direkten Nähe zur Explosion überlebt und wenig später schon wieder Blüten und Blätter getragen. Seitdem sind sie ein vielgeschätztes Zeichen für den Überlebenswillen und Wiederaufbau in Japan.

Aomori, Takamatsu & Shimizu – kleine Perlen am Wegesrand

Im Gegensatz zu großen Kreuzfahrtschiffen, die oft nur wenige Stopps in den großen Städten Japans einplanen, liefert unsere intensive Japan-Umrundung mit Azamara ein sehr viel umfassenderes Bild. Wir genießen den Aufenthalt in kleinen Häfen, wie etwa in Aomori. Hier bewundern wir im Warasse Nebuta Museum riesige Wagen, die zum jährlichen Lichterfest Anfang August von Dutzenden Männern durch die Straßen bewegt wurden. Vier Tonnen wiegt ein Wagen, darauf sind meterhohe Papierinstallationen angebracht, angemalt mit indischer Tinte, ausgeleuchtet von Hunderten Glühbirnen. Jedes Jahr gibt es 22 neue Wagen, die schönsten werden im Museum ausgestellt.

Die Papierinstallationen auf den Wagen vom Lichterfest in Aomori zeigen mythologische und geschichtliche Szenen Japans.

In Takamatsu spazieren wir durch den Ritsurin-Garten, der über Jahrhunderte ein Rückzugsort für adelige Familien war und über Generationen immer weiter perfektioniert wurde. Die 75 Hektar große Parkanlage ist der größte Wandelgarten Japans. Verschlungene Pfade zwischen idyllischen Gewässern bieten dem Auge immer neue Perspektiven – auf klassisch geschwungene Brücken und steinerne Laternen, bonsaiartige Bäume und blühende Seerosen. 

Der Ritsurin-Garten in Takamatsu zählt zu den schönsten auf unserer Reise.
Wasser ist ein wichtiges Element jedes japanischen Gartens.

Zur Krönung dieses Tages in der Natur färbt sich der Himmel während unseres Abendessens im Hafen von Takamatsu in den schönsten Rottönen. 

Was für ein Blick zum Abendessen in Takamatsu – aus dem Restaurant der Azamara Quest.

Von Shimizu aus fahren wir in Richtung Mount Fuji. Der heilige Berg gilt als Sitz der Götter. Mehr als 1300 Schreine stehen am Fuß und an den Hängen des höchsten Berges Japans, der gleichzeitig auch ein Vulkan ist. Sie sollen die Kirschblütenprinzessin besänftigen, die Göttin aller Vulkane. 

Es gibt mehr als 80.000 Shinto-Schreine in Japan.
Der Kunozan-Toshogu-Schrein ist die Grabstätte des Herrschers Tokugawa Ieyasu,
der 1603 mehrere Regionen Japans einte.
Im Garten Momijiyama sind verschiedene japanische Landschaften in Miniatur dargestellt –
dieses Bild zeigt eine Nachbildung des Mount Fuji.

Japanische Kultur an Bord des Kreuzfahrtschiffs

Die Azamara Quest wird für uns eine kleine Heimat in der Fremde. Aber auch an Bord ist Japan alles andere als fern: Im Hauptrestaurant können die Passagiere allabendlich ein anderes japanisches Gericht probieren, und beim Entertainment kommen lokale Gastkünstler zum Zug: Die große Schrein-Trommel im Theater kann man über drei Meilen hinweg hören und die „White Night“ wird gekrönt durch den Auftritt von drei Geishas. Hochkonzentriert führen sie versteckt hinter weiß geschminkten Gesichtern präzise und elegante Tänze auf, spielen Musikinstrumente und singen.

In Kobe findet eine Trommelshow an Bord der Azamara Quest statt.

Sie befinden sich mit Mitte 20 noch in der Ausbildung zur Gesellschaftsdame, die üblicherweise nicht vor dem Universitätsabschluss beginnt. Erst bei der Interaktion mit den Gästen lockern sich ihre ernsten Mienen. Das Schauspiel steht stellvertretend für die erstaunliche Gratwanderung Japans zwischen ernsthaft gelebter Tradition und moderner Zukunftstechnologie. Eigentlich bräuchte man noch viel mehr Zeit, um dem höflichen Japan vorsichtig näherzukommen. Vielleicht beim nächsten Mal zur Zeit der Kirschblüte.

Japan-Kreuzfahrt Buchungstipps

Die meisten Japan-Kreuzfahrten starten und enden in der Hauptstadt Tokio. Azamara Club Cruises war ein Vorreiter für die neue Trenddestination. Die nächste Japanumrundung ist für April 2022 angesetzt – also zur Zeit der Kirschblüte. Sie wurde auf 16 Tage verlängert. Inzwischen sind in Japan auch MSC, NCL, Princess Cruises und Cunard unterwegs. Um die ganze Vielfalt des Landes und nicht nur die Metropolen zu erleben, empfiehlt es sich, ein kleines Schiff zu buchen – wie etwa von Oceania Cruises, Windstar oder eben Azamara.

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